Das NachhaltigkeitsCamp Bonn 2022

1. Session-Zeitraum

Nachhaltiger Tourismus in Afrika „Lodge Project" und Sozialunternehmer*in werden

Menschen in Deutschland wollen reisen, haben aber ein schlechtes Gewissen aufgrund der damit verbundenen Umweltbelastung. Recycling ist die Lösung für die zunehmende Ressourcenknappheit. Im Simbabwe, Sambia und Mosambique sollen attraktive Lodges aus Plastikmüll gebaut werden, die mit Solarpanels betrieben werden. Der Verein Madiba versucht dieses Projekt umzusetzen und sucht Mitstreiterinnen und Mitstreiter hier und in den angesprochenen Ländern sowie Finanzgeber auch aus öffentlichen Quellen.

Austauschprogramme vs. Reisen - Nachhaltig reisen?

Wie kann man nachhaltig reisen? Zu der Frage von Fabienne kamen viele Vorschläge zusammen, wie zum Beispiel Direktflüge vorzuziehen, um Zwischenstopps zu vermeiden, Meetings online abzuhalten oder öfter das Fahrrad zu nutzen. Allerdings wurde schnell klar, dass Zeit = Geld ist und, dass wir daher eher fliegen statt Zug zu fahren. Kosens war, dass wenn man verreisen muss, man dies mit Mitfahrgelegeneheiten tun sollte. Zudem sollten Arbeitgeber versuchen mehr Home-Office zu ermöglichen. So können es sich Familien leichter einrichten nur ein Auto zu besitzen.

Würfel mit den 17 Nachhaltigkeitszielen im Vordergrund und Personen in einem Stuhlkreis im Hintergrund.

Nachhaltigkeitskommunikation

Welche Herausforderungen gibt es bei Nachhaltigkeitskommunikation und wie kann man Nachhaltigkeit „sexy“ darstellen? Das Thema ist sehr komplex und nicht alle können sich ein nachhaltiges Leben leisten. Wie kann man kommunizieren, ohne mit dem Finger auf andere zu zeigen und den Verzicht in den Mittelpunkt zu stellen? Zum Beispiel sollte statt Verzicht über die Gestaltungsmöglichkeiten der Zukunft gesprochen werden. So kann man vor allem jüngere Zielgruppen erreichen. Man sollte sich zuerst kleine Ziele stecken, das erhöht die Motivation. Zudem kann die „Nachhaltigkeitsplakette“ hinderlich sein. Mann könnte stattdessen positiv besetzte Wörter nutzen (zum Beispiel „Tage des guten Lebens" statt „Nachhaltigkeitstage").

Zurück zur wilden Natur des inneren Kindes

In der Session ging es um Anregung zu neuen Ideen und Perspektiven, um sich selbst, aber auch (eigene) Kinder wieder enger mit der Natur zu verbinden und sich und sie dem Leistungssystem, ein Stück weit, zu entziehen. Die Erfahrung „Ich kann es mit meinen eigenen Händen schaffen“, zum Beispiel anhand des Entfachens eines Feuers ohne Feuerzeug, ist äußerst wichtig (für Kinder). Fazit war, dass es wichtig ist, zu lernen, den Fokus auf sich zu setzen, anstatt der Idee, „die Welt zu retten“ hinterherzulaufen. Denn nur, wenn man lernt, selbst mit sich und der Natur im Einklang zu leben, kann diese Ansicht auch vermitteln. Auch blieb zum Ende der Session hängen, dass es von großer Relevanz ist, sich selbst als Teil der Natur zu betrachten und so auch zu handeln.

2. Session-Zeitraum

SDGs und Partnerschaften (Ziel 17)

Wie kann ein (Entwicklungs-)Gleichgewicht zwischen dem Globalen Süden und Norden entstehen? Welchen Beitrag können Partnerschaften leisten? Mit Hilfe des Crossboccia-Spiels GloBall wurden die auf die Bälle aufgedruckten Werte Fairness, Respekt, Freude, Vertrauen, Würde und Engagement in die Diskussion eingebracht. All diese Werte sind Voraussetzung für eine faire partnerschaftliche Zusammenarbeit. Die Werte wurden um „Ownership“ erweitert. Das bedeutet, dass sich die Menschen vor Ort mit den sie betreffenden Maßnahmen identifizieren und dass Zielgruppen und Partnerorganisationen bei der Umsetzung Eigenverantwortung übernehmen.

Sustainability und Storytelling

Alexander brachte die Frage mit: „Wie können wir neue Narrative [für Nachhaltigkeitsthemen] entwickeln?“. Beim Thema Nachhaltigkeit wird oft von Verzicht gesprochen. Wie können wir nachhaltige Themen verführerisch kommunizieren und so auch Menschen außerhalb der „Bubble“ erreichen? Wie können wir unsere Zielgruppen zum Verzicht verführen, ohne den Verzicht in den Vordergrund zu rücken? Konsens war, dass Zielgruppen für die Dringlichkeit der Themen sensibilisiert werden sollten, ohne Angst zu erzeugen oder belehrend zur wirken. Die Gruppe entwickelte anhand von ein paar ausgewählten Themen konkrete Storys. Im Zusammenhang mit dem Thema Ernährung könnte man beispielsweise erzählen, dass Kochen mit veganen und vegetarischen Produkten spannender, kreativer oder internationaler ist und man so Neues kennenlernt. Bei den Themen Reisen könnte man das Slow traveling in den Vordergrund rücken und ein bewusstes und gemeinsames Erleben darstellen.

Wie setze ich mich für eine gerechtere Welt ein?

Wie kann ich eigentlich helfen und mich für meine Herzensthemen einsetzen? Im Austausch zu dieser Frage zeigte sich, dass es vor allem auch um die (richtige) Kommunikation und den Druck geht, den viele durch ihr gesellschaftliches Umfeld fühlen. Das hat uns zurück zum „House of change“-Konzept von Kerstin geführt. Es hat sich auch herauskristallisiert, dass eine Kooperation mit verteilten, kleineren Aufgaben zu einer umfassenderen Lösung führt, als wenn jeder und jede versucht, Probleme alleine zu lösen. Das wurde anhand des Bambus- /Zauberstabexperiments gezeigt.

Einführung in die Permakultur

In dieser Session hat Maria uns die Permakultur näher gebracht. Bei diesem Konzept wird die  Bewirtschaftung von Gärten und landwirtschaftlichen Flächen nachhaltig und vor allem ganzheitlich betrachtet. Es wird auf natürliche Ökosysteme und Kreisläufe gesetzt. Hierbei stehen die Prinzipien Earth Care, People Care und Fairshare im Mittelpunkt. Zudem wird nach dem Konzept „Alles in der Natur hat seinen Sinn“ gearbeitet. Daher gibt es zum Beispiel auch keine Schädlinge, sondern nur Nützlinge.

Politische Veranstaltungsformate nach und mit Corona

Mit Corona hat sich die Bedeutung und das Teilnehmendenverhalten von Veranstaltungen geändert, was die Frage mit sich bringt, wie (politische) Organisationen mit ihren Veranstaltungsformaten relevant bleiben können. Eine Veranstaltung ist eine Maßnahme von Öffentlichkeitsarbeit und zugleich braucht es Öffentlichkeitsarbeit, um die Veranstaltung bekannt zu machen. Daher sollte die Öffentlichkeitsarbeit an die Zielgruppe(n) der Veranstaltung angepasst werden (Fachveranstaltung à Fachpublikum; Übergreifendes Thema à Kooperationen mit anderen Organisationen, um verschiedene Zielgruppen zu erreichen). Die Erfahrung der letzten Zeit zeigt, dass reine Input-Veranstaltungen nicht funktionieren, es geht vermehrt um Vernetzung und Interaktion. Zudem ist es sinnvoll, sich an Aktionswochen mit der eigenen Veranstaltung zu beteiligen für eine bessere Berichterstattung und zusätzliche Möglichkeiten, gefunden zu werden.

3. Session-Zeitraum

Was machen: Austausch zu euren Herzensthemen

Wie kann ich eigentlich helfen und mich für meine Herzensthemen einsetzen? Lösungsansätze hierfür wurden in der Session gemeinsam gefunden und besprochen. Dass es dabei vor allem auch um die (richtige) Kommunikation geht und den Druck, den viele durch ihr gesellschaftliches Umfeld fühlen, hat uns zurück auf das von Kerstin vorgestellte „House of Change“ Konzept geführt. Auch hat sich herauskristallisiert, dass eine Kooperation mit verteilten kleineren Aufgaben eher zu einer umfassenderen Lösung führt, als wenn jeder und jede versucht, die Thematiken alleine zu bewältigen. Das wurde anhand eines kleinen Gemeinschaftsexperiments, dem Bambus-/Zauberstab, veranschaulicht und hat zu weiterem Austausch geführt.

Planung von nachhaltigen Veranstaltungen

Fee stellte zu Beginn ihrer Session kurz vor, wie Engagement Global den Prozess zu Einführung eines organisationsweiten nachhaltigen Veranstaltungsmanagements durchführt und ging auf die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit ein: die ökologische (Reduzierung von Einflüssen auf die Umwelt), soziale (z.B. Familienfreundlichkeit, Barrierefreiheit) und ökonomische (Erreichung von Zielen) Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen. Anschließend kam die Gruppe ins Gespräch zu verschiedenen Herausforderungen bei solchen Prozessen und den Unterstützungsmöglichkeiten (wie Schulungen und Arbeitshilfen), die den Kolleginnen und Kollegen bei solchen Prozessen zur Verfügung gestellt werden sollten. Die Gruppe diskutierte, wie bei der Planung von Veranstaltungen alle involvierten Personen und Unternehmen mitgenommen und gehört werden können und sollten. Der Leitfaden vom Umweltministerium und Umweltbundesamt stellt ausführlich und übersichtlich dar, welche Aspekte bei der Organisation von nachhaltigen Veranstaltungen berücksichtigt werden können.

Theorie U - Von der Zukunft her führen

Was sind die zentralen Punkte der Theorie U? Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik (von C. Otto Scharmer)?

Die Theorie U von Scharmer beschreibt einen ganzheitlichen Veränderungsprozess, der sich sowohl auf der persönlichen als auch gesellschaftlichen Ebene vollzieht. Kern dabei ist, dass Führen und Lernen nicht auf Kenntnissen der Vergangenheit beruhen, sondern den Fokus auf die sich entwickelnde Zukunft zu legen.

Wie saniere ich ein Haus auf nachhaltige Weise?

In dieser offenen Gesprächsrunde hat Maria die Frage nach einer möglichst nachhaltigen Sanierung eines Landhauses in den Raum gestellt. In der Diskussion kristallisierten sich gute Ratschläge zur Planung, wie die Reihenfolge der unterschiedlichen Gewerke, sowie die Fördermöglichkeiten für alternative Nutzungsmöglichkeiten des Hauses, wie zum Beispiel als Jugendprojekt, heraus.

Gemeinwohl-Kapitalismus

Welches Mindset bestimmt unser Handeln? Wie kann man die Gesellschaft dazu bringen, dass Gemeinwohl und Harmonie durch unser Handeln erreicht werden und gleichzeitig die Umwelt nicht zerstört wird? In der Session wurde besprochen, dass durch ein bedingungsloses Grundeinkommen Menschen die Freiheit erhalten, selber zu bestimmen, wie, wo und zu welchem Zweck sie ihre Arbeitskraft einbringen. Christian sieht sich als Gemeinwohlinvestor, der das Mindset von Menschen dahingehend verändern möchte, dass sie in Harmonie und Frieden leben wollen und entsprechend handeln.

4. Session-Zeitraum

Ehrenamt gesucht

Wie findet man ein Ehrenamt? Diese Frage hat Tugba mitgebracht. Sie ist aktuell auf der Suche nach einem Ehrenamt, das zu ihren praktischen und beruflichen Fähigkeiten und Interessen passt. Gemeinsam wurden Fragen gesammelt, die sich alle stellen können, die im gemeinnützigen Bereich aktiv werden wollen: Was sind meine Fähigkeiten? Welche Werte sind mir wichtig? Möchte ich im Vorder- oder Hintergrund aktiv sein? Wie viel Zeit habe ich pro Woche/pro Monat? In welchem Bereich der Gemeinnützigkeit möchte ich arbeiten?

Orte und Ecken für Nachhaltigkeit

Wie können in Unternehmen Initiativen rund um das Thema Nachhaltigkeit entstehen? Dieses Thema hat Uli mitgebracht und berichtet von seinen Erfahrungen: Meistens braucht es zwei bis drei Initiatoren, die Ideen einbringen. Oft wissen Mitarbeitende nicht, wie sie sich wo im Rahmen ihrer zeitlichen Möglichkeiten engagieren können. Nachdem sich der Bedarf herauskristallisiert hatte, wurde ein „Nachhaltigkeitsfrühstück“ eingeführt, bei dem bereits engagierte Mitarbeitende über ihr Engagement berichteten. Gleichzeitig ergab sich ein Raum zum Austausch und zur Organisation von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Im Fall von Ulis Arbeitgeberin stehen den Mitarbeitenden (mittlerweile) 5-10 Prozent ihrer Arbeitszeit für Engagement (innerhalb des Hauses) zur Verfügung.

Bananen und Globalisierung

Gewerkschaften haben großen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen für Arbeiterinnen und Arbeitern auf Bananen-Plantagen. Pablo hat uns die historischen Hintergründe der problematischen Gewerkschaftsarbeit in Ecuador erläutert und uns die heutige Situation und die Probleme in den Lieferketten erklärt. Dabei wurde eins besonders deutlich: Das neue Lieferkettengesetz ist ein zentraler Wendepunk; vor allem für die Arbeiterinnen und Arbeiter vor Ort, die unter prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen leiden.